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Vladimir Muntyan stürmt Berlin

„Selbst ernannter Apostel“, „Heiler“ und ähnliche Spitznamen erscheinen prompt in einigen Medien, die vom Aufenthalt des Vladimir Muntyan in Berlin erzählen. Die Veranstalter des selbst ernannten „Kreuzzuges“ haben sich auf den Besuch des Heilers gut vorbereitet: Sie einigten sich auf die Übertragung in der Radiostation „Radio Russkij Berlin“, mieteten eine große Halle für 26.000 EUR, und im Anschluss, kurz vor dem „Heildienst“, organisierten sie eine Pressekonferenz. Auf diese kamen, wie später der Wundertäter erzählte, „einige dutzende“ Journalisten.




„Zum Interview sind dutzende Journalisten gekommen.“ - V. Muntyan.

Offensichtlich haben die Organisatoren dieser Pressekonferenz Unterstützung durch ehemalige Landsleute erhalten - Mitarbeiter der Radiostation „Radio Russkij Berlin“. Mit der Übertragung im Radio ist Muntyan außerordentlich glücklich. Auf Sendung sind der Moderator Mark und Muntyan per Du, und nach dem Besuch im Studio schreibt der „Apostel“ auf Facebook: „Regina, die Leiterin der Radiostation, hört meine Predigten über die vierte Dimension täglich… Wir sind charakterlich eindeutig auf einer Wellenlänge. Und bei den Lebenszielen ebenso.“ Wie dem auch sei: Die Pressekonferenz hat stattgefunden. Voreilige Schlüsse, dass die Anwesenheit des großen deutschen Medien als Vorteil für den Helden gewertet wird, sollte man nicht ziehen. Den die darauffolgenden Artikel sprechen nicht für den „Apostel“.


„Das ist Regina. Sie ist die Leiterin der Radiostation „Radio Russkij Berlin“. Neben ihr ist der Moderator Mark… Wir sind charakterlich eindeutig auf einer Wellenlänge. Und bei den Lebenszielen ebenso.“ - V. Muntyan.

Der Artikel „Wir waren bei einem ukrainischen Wunderheiler“, der auf noizz.de erscheint, ruft keine Begeisterung hervor. Neutral und trocken liest man die Biografie des Heilers, die die Autoren als „selbsternannt“ bezeichnen. Anschließend folgt die Beschreibung seines Äußeren: „Der gesandte Gottes trägt einen glänzenden Siegelring, die Haare kurzgeschoren und einen schneeweißen Anzug.“ Auch die 20-jährige Dolmetscherin Maria im hautengen Kleid entzieht sich nicht der Aufmerksamkeit der Journalisten. Es wurde der Betrag für die Miete der Halle genannt, und die Zahl der versammelten Menschen, ca. 1000 Menschen voller Hoffnung auf die Heilung ihrer Krankheiten. Sie unterstreichen im Artikel, dass der größte Teil der Besucher aus der Ukraine und Russland stammen. Viele kamen auch aus der Ferne nach Berlin.

Die Autoren erklären, dass der Eintritt kostenlos gewesen ist. Aber die Organisatoren sind nicht arm geblieben, weil am Ende der Veranstaltung die Ernte kommt - in Form von den Spenden. Der Artikel schließt mit einer kurzen Zusammenfassung: Nach dem Heilungsgebet, dem eine dreistündige Predigt des Heilers vorausgegangen war, hat keiner der auf den Rollstuhl angewiesenen angefangen zu gehen. Das Team, das Muntyan begleitet, macht trotzdem einen zufriedenen Eindruck.

Bz-berlin.de veröffentlicht die Warnung vom lokalen Gesundheitsstadtrat. Sie zititeren die warnenden Worte von Herrn Falko Liecke (44, CDU): „Jeder Mensch sollte stutzig werden, wenn selbst ernannte Vertreter Gottes mit Massengebeten Krebs heilen oder auf den Rollstuhl angewiesene Menschen wieder gehen lassen wollen.“ Die fettgedruckte Einleitung des Artikels lässt keinen Zweifel an der Position der Taten des Heilers: „Er will Krebs heilen, komplett ohne Medizin und hält sich für einen Apostel – und kommt am Sonntag nach Neukölln. Der Gesundheitsstadtrat ist davon nicht begeistert.“ Am Schluss warnt dieser:“Hier wird auf perfide Art und Weise mit den Hoffnungen und Ängsten der Menschen gespielt.“

Zum Schluss veröffentlicht Der Spiegel einen sechsminütigen Videobericht, den er auch sehr eindeutig formuliert: „Gefährliche Versprechen“. Der Videoclip ist einen Blick wert, wobei die Beschreibung den Sinn offenbart: “Er inszeniert sich als "Apostel" und verspricht, durch seine Predigten Kranke zu heilen: Der Ukrainer Vladimir Muntyan lockte am Wochenende rund 1000 Menschen zu einem Gottesdienst nach Berlin. Ein Video über das lukrative Geschäft mit der Hoffnung.“



Der Spiegel betont, dass Experten diese Heilungsevents ganz genau verfolgen. Einer von diesen wurde nach einem Kommentar gefragt. „Wenn sich ein Mensch einem sogenannten Apostel anvertraut, dann wirkt das auf ihn wie ein Medikament“, sagt der Spezialist der religiösen Psychologie, Michael Utsch. „Währenddessen verlieren Menschen oft das Bewusstsein, fallen auf den Boden. Aber nichts passiert weiter. Es findet keine automatische Heilung statt. Diese Tricks funktionieren einfach nicht.“

„Der Verlust der Kontrolle über sich selbst als Zeichen des angeblichen Handelns des Heiligen Geistes ist in charismatischen Bewegungen nicht ungewöhnlich“, erklärt der Sprecher hinter den Kulissen. „Die Heilung ist dort, wo die moderne Medizin machtlos ist“, das ist das Wesen des wunder, das Vladimir Muntyan verspricht. Darüber hinaus ist das Angebot des „Apostels“ unbegrenzt: Er verspricht Reichtum, Schönheit, Ruhm - all dies ist in seinen Versprechen aufgezählt.

Die Besonderheit dieser Praxis ist, - setzt sein Kommentar Michael Utsch fort, - dass der Heiler dir sagt: „Wenn du richtig glaubst, wirst du gesund!“ Umgekehrt muss man eben auch sagen: Wenn ich nicht gesund werde, wenn ich nicht reich werde, dann hab ich falsch geglaubt. Dann bin ich selber schuld. Letztlich habe ich leider auch einige Leute getroffen, die nach solchen Veranstaltungen sehr frustriert, im Grunde kränker wieder rausgegangen sind, weil sie die Schuld bei sich selber suchen und sagen: „Mensch, ich kann immer noch nicht richtig glauben, ich kann diese Möglichkeit der Heilung noch nicht in Anspruch nehmen.“

Einer, der sicher zu solch einem Enttäuschten zählt, ist der junge Mann, der am Ende des Videoberichts des Spiegels gezeigt wird. „Es ist eine Schauspielerei! Ganz bekanntes Beispiel. Psychotraining und so weiter. Also, ich bin behindert gekommen, behindert wieder weggegangen.“


Ein enttäuschter Besucher: „Es ist eine Schauspielerei! Ganz bekanntes Beispiel. Psychotraining und so weiter. Also, ich bin behindert gekommen, behindert wieder weggegangen“.

Am Ende des Beitrages zeigt die Reportage das Sammeln von Geld (Spenden). Daraufhin erscheint Muntyan: „Was das Geld angeht“, sagt er. „entschuldigt mich, aber bis dahin wird mein Hirn wahrscheinlich nicht gehen.“ Was der Heiler mit seinem Hirn damit meinte, bleibt wohl ein Geheimnis. Offensichtlich hat er vergessen, dass er von der Bühne seiner Heimat Ukraine versprochen hat für ausschließlich die besonders zu beten, die „1000 Dollar oder mehr spenden“. In Berlin behauptet er, dass er sich für solche Dinge (Geld) nicht interessieren würde. Solch ein völlig uneigennütziger „Apostel“ ist auf der anderen Seite in der Lage die Kosten für die Miete einer großen Halle, wohl gemerkt rund 26.000 EUR, zu decken. Aber an den Verdienst denke er, vor allem im Anbetracht dieser Tatsachen, selbstverständlich nicht …

So beschreiben die örtlichen Medien die Ereignisse in Berlin. Aus geistlicher und biblischer Hinsicht sieht seine Praxis wie offensichtliche Irrlehre aus. Der Heiler hat seine Karriere mit der „Zerstörung der genetischen Flüche“, der „Beseitigung von Verderben“und ähnlichen okkulten Praktiken angefangen. Ist es überraschend, dass er irgendwo in der von ihm genannten „vierten Dimension“ gelandet ist? Es ist klar, dass dieses Zerstörungen nichts mit der Bibel, vor allem aber nichts mit Gott oder dem Heiligen Geist zu tun haben.

Aus diesem Grund hat der Ukrainische interkirchliche Rat im Jahr 2013 nach dem „Auftreten von ernsthaften Beschwerden (theologischer und ethischer Natur) gegenüber V. Muntyan“eine offizielle Erklärung abgegeben: Wir rufen alle Christen in der Ukraine und darüber hinaus, und vor allem die Leiter der Kirchen, auf, vorsichtig zu sein und mit Gottesfurcht sich selbst und das Volk vor dem Einfluss von V. Muntyan zu schützen.“

Die jüngsten Ereignisse des selbsternannten „Apostels“ verurteilte die „allukrainische Union der Kirchen der evangelischen Christen“ und die „Vereinigung der Kirchen der evangelischen Christen in der Republik Belarus“, als auch die „Union der unabhängigen charismatischen christlichen Kirchen der Ukraine“.

Darüber hinaus stellen sich viele Fragen finanzieller Natur an den Heiler. Er macht keinen Hehl aus seiner Lebensweise, die man nicht anders als „ausschweifend“ bezeichnen kann. Kritiken „ethischer Natur“, wie es vorsichtig der ukrainische Allkirchenrat formuliert hatte, wachsen weiter: Das Internet kocht von Berichten über ehemalige Arbeiter und Bischöfe der Zentrums „Wiedergeburt“, die, wie sie sagen, aus „dieser Sekte“ ausgebrochen sind und nun das wahre Gesicht des selbst ernannten Apostels enthüllen. Erzählungen von ehemaligen Sekretärinnen und Haushälterinnen von V. Muntyan, die sich nach der Freistellung ihrer Arbeit vor der Verfolgung des sogenannten "Sicherheitsdienstes des Spirituellen Zentrums" verstecken müssen, verschärfen das Bild.



Bis dahin nutz der Heiler die Freiheit aus und organisiert „Kreuzzüge“ in Kiew, in anderen Städten der Ukraine, und versucht Deutschland im Sturm zu erobern. Gut, dass es es Willige gibt. Sie möchten geheilt werden, vom Rollstuhl aufstehen, und reich werden, wohlhabend. In jedem Land gibt es genug Willige. Und aus diesem Grund ist dieses Geschäft, dass Der Spiegel genau benannt hat („Das lukrative Geschäft mit der Hoffnung“), gewinnbringend und hat so viel Entwicklungspotential. Man kann es aber auch anders sagen: Geschäft, das sich auf der Hoffnungslosigkeit entwickelt. Das sich an der Hoffnungslosigkeit der Menschen ernährt, die nach dem letzten Strohhalm greifen. Aber das ist eine ethische Frage. Und mit der Ethik, so viel steht fest, hat der „Apostel“ seine Probleme. Was bleibt ist die Hoffnung auf die Vernunft der Bedürftigen.

P.S.
Den umfangreichsten Artikel hat „Die Welt“ veröffentlicht. In „Der Wunderheiler, der die Deutschen retten will“ wird nicht nur detailliert das Handeln V. Muntyans beschrieben, sondern auch das Wesen seiner Taten unvoreingenommen bewertet. Die Journalisten waren nicht zu faul, um sich auch die Biografie des Heilers etwas genauer anzuschauen. Sie schreiben, dass der „Apostel“ seine Vergangenheit sorgfältigt verschweigt, insbesondere seine Vorstrafen wegen „Betrugs und Diebstahls“. Schade, dass sich die Organisatoren der Pressekonferenz beeilt haben. Schade.

Andreas PATZ.

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